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One image from series of installation shots of the exhibition „Dark Drives. Uneasy Energies in
Technological Times“, transmediale 2k+12, © Genz, Lindner / transmediale

Schwarze, gerade Wände, klar exponierte Kunstobjekte, viele Monitore, ebenso viele Bildschirme. Projektionen, ja, natürlich auch Projektionen. So gesehen also eine klassische Medienkunstausstellung. Dennoch nicht überladen, nicht nervenaufreibend interaktiv, nicht blinkend, quietschend, schrill und elektronisch qualmend. Die Schlichtheit und beruhigende Dunkelheit bestimmen das Gesamtbild der Ausstellung bei der transmediale.12. Dem Leitthema des Festivals, compatible/incompatible scheint sich zumindest die Gestaltung der Ausstellung nicht verschrieben zu haben. Der in fast absurder Konsequenz durchgezogene Grundtenor der Inkohärenz zieht fast spurlos an ihr vorbei. Es ist eben ein sehr stimmiges Arrangement.

Ryoji Ikeda
Ausstellungsansicht „db“ im Hamburger Bahnhof, 2012
Courtesy of Freunde Guter Musik Berlin e.V.; Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin
Foto: Uwe Walter

Auch am Hamburger Bahnhof setzt man auf eine ruhige, fast meditative Inszenierung. In der Ausstellung des Künstlers Ryoji Ikeda treffen ausbalancierte Gegensätze aufeinander. Schwarz-weiß, linker Flügel, rechter Flügel. Im HKW dagegen scheint jede Arbeit für sich zu stehen. Die Mischung aus Werken, die offensichtlich sehr viel zu erzählen haben und denen, die sich dezent im Hintergrund aufhalten ist angenehm beruhigend. Eingeleitet durch eine schwarze Soundbox, ist die Geräuschkulisse in der Haupthalle sehr reduziert. Vor ein paar Jahren noch sehr laut, ist die Medienkunst heutzutage leise geworden. Als würde sie gerade zurückgezogen in Selbstreflexion aufgehen. Kein Selbstmitleid, sondern eher eine Art Basisfestigung. Der Schwerpunkt hat sich verlagert, vom äußeren Erscheinungsbild hin zum Inhalt und dieser stimmt. Es scheint als hätte der Wettlauf der Medienkunst gegen den technologischen Fortschritt nachgelassen, als wäre ihr dieser Druck endlich genommen worden. Ein Druck, der zweifellos einen ständigen Ansporn liefert, gleichzeitig jedoch zur Überforderung, zum Verlust des eigenen Kerns führt. Der Medienkunst, die dem Geist der Zeit verschrieben und in ihm gefangen ist, ergeht es da ähnlich wie Mediennutzern. Es handelt sich wohl, um ein allgegenwärtiges Phänomen, das sich durch die heutige Welt durchzieht, einen Schleier oberflächlicher Überflutung über sie legt. Daraus resultiert wohl auch das immer deutlicher spürbare Bedürfnis nach einem Innehalten. Entschleunigung, Slow-Bewegungen, Low-Tech: Die Gesellschaft schreit nach analogen Technologien, nach offline-Leben, nach Entkopplung von der rasenden Maschinerie. Ist es ein vorübergehender Zustand? Werden wir uns peu à peu daran gewöhnen? Who knows. Im Moment ist es jedoch so, dass es ein besonderer Genuss ist, in eine Ausstellung zu gehen in der nicht jedes Kunstwerk verzweifelt schreiend um Aufmerksamkeit buhlt.


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